Polnische Literatur: Highlights aus dem 20. & 21. Jahrhundert

Die polnische Literatur des 20. Jahrhunderts begann mit der Zeit der „Jungen Polen“, zwischen 1890 und 1918. Es handelte sich dabei um eine Stilrichtung des Modernismus und literarischen Strömungen der Neoromantik, des Expressionismus, Symbolismus, Impressionismus und der Dekadenz. Literaten dieser Zeit gaben der Gefühlswelt den Vorrang, was sich vor allem in der Lyrik niederschlug.

Die literarische Zwischenkriegszeit

Polnische Literatur

Die Weltkriege führten zu starken Umbrüchen in der polnischen Literatur.  (Bild: Halina – aboutpixel.de)

In der Zwischenkriegszeit zwischen 1918 und 1939 wurde in Polen stark in die Kultur investiert. So wurde unter anderem die polnische Akademie der Wissenschaften gegründet. Auch die Künstler spürten diesen neuen, wiedererwachten Geist. Zahlreiche Dichtergruppen wie „Salamander“ oder „Grüner Ballon“ wurden gegründet. Die Zeit wird auch in die helle Phase, die bis 1932 dauerte und die dunkle Phase 1932 bis 1939 unterteilt.

Die helle Phase zeichnet sich durch Euphorie über die Beendigung des Krieges und der Wiedererlangung der Freiheit aus. Die dunkle Phase ging mit einer großen Wirtschaftskrise und der Bedrohung von außen einher. Bedeutende Literaten dieser Zeit waren Krzysztof Kamil Baczyński, Tadeusz Gajcy, Józef Czechowicz, Bolesław Leśmian, Witold Gombrowicz oder Czesław Miłosz, um nur einige zu nennen. Bruno Schulz und Witold Gombrowicz galten als Meister der Groteske, Fantasie und des Humors, Stanisław Wyspiańskis gilt als Allroundgenie dieser Zeit.

Die Nachkriegszeit

Bereits während des Zweiten Weltkrieges thematisierte die junge Generation in ihren Gedichten die Vorahnung auf ihren jungen Tod, wie Baczyński (der tatsächlich jung starb), Gajcy und Tadeusz Borowski. Über 1.000 Romane entstanden in Untergrunddruckereien und auch literarische Diskussionen wurden geführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das erste Hauptthema die Verarbeitung des Krieges. Zahlreiche Schriftsteller widmeten sich dem Leben im Konzentrationslager und den schlechten Bedingungen in Kriegsgefangenenlagern – die rigorosen Berichte sind zum Teil wahrhaftig verstörend.

Borowski beispielsweise war einer der begabtesten Vertreter, konnte seine Erlebnisse im Konzentrationslager jedoch nicht überwinden und nahm sich wenige Jahre nach seiner Befreiung das Leben. Zudem wandten sich die Literaten Polens dem Nihilismus, Pessimismus, der Skepsis und dem Zynismus zu – als Reaktion auf die Kriegserlebnisse und die schwierigen Lebensbedingungen der Nachkriegszeit. Bekannte Schriftsteller dieser Zeit waren Jerzy Andrzejewski, Marek Hlasko oder Jaroslaw Iwaszkiewicz. Viele Schriftsteller arbeiteten aus dem Exil und schrieben ihre Werke im Ausland. Darunter waren Werke von Henryk Grynberg, Witold Gombrowicz oder Czesław Miłosz. Viele Autoren überlebten den Zweiten Weltkrieg nicht, wie beispielsweise Baczyński und Schulz.

Aktuelle Schriftsteller Polens

In den 1980er Jahren hat die polnische Literatur viele Talente hervorgebracht, die sich aber erst nach der Wende richtig entfalten konnten. Dazu gehören Autoren wie Stefan Chwin, Pawl Huelle oder Slawomir Mrozek. Diese Zeit ist zudem durch die Rückkehr einiger Autoren aus dem Exil gekennzeichnet, so beispielsweise Czesław Miłosz. Die Lyrikerin Wislawa Szymborska erhielt 1996 den Nobelpreis für Literatur, es ist der vierte in der Geschichte der polnischen Literatur. Zu den Hoffnungsträgern der Zukunft gehören Schriftsteller wie Olga Okarczuk, Andrzej Stasiuk oder Dorota Maslowska. Besondere Bedeutung in der polnischen Literatur haben derzeit die Themen Science-Fiction und Fantasy.

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