Tag der polnischen Verfassung

Mit dem Nationalfeiertag am 3. Mai feiern die Polen eine ganz außerordentliche Leistung in der europäischen Geschichte. Denn die polnisch-litauische Verfassung vom 3. Mai 1791 war die erste moderne Verfassung auf dem Boden Europas und nach der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika 1787 überhaupt erst die Zweite auf der Welt im Geist der Aufklärung.

Polnische Verfassung

Erstdrucks der Maiverfassung von Piotr Dufour 1791 (Bild: Gemeinfrei/Wikipedia)

Polnische Verfassung – Volkssouveränität und Parlament

Sie beinhaltete das Prinzip der Volkssouveränität in Form des Sejm, des polnischen Parlamentes, das die Gewalt im Staat nach dem Mehrheitsprinzip ausübte. Die Regierung konnte nicht ohne das Parlament handeln und das Königtum wurde in Form der konstitutionellen Monarchie in seinen Rechten beschnitten.

Auch die heute demokratisch bewährte Gewaltenteilung in rechtlicher, beschließender und ausführender Form stand bereits in der polnisch-litauischen Verfassung. Aufgrund der hohen historischen Bedeutung hat auch Litauen im Jahr 2007 den Verfassungstag am 3. Mai zum Nationalfeiertag erklärt.

Einheit der Nation als Ausweg aus der politischen Krise

Die polnische Verfassung entstand nicht, wie die amerikanische, im Gründungsprozess eines souveränen Staates, sondern bündelte die nationalen Kräfte im Kampf um die Wiedererlangung der Souveränität Polens.

Das Land war durch viele Kriege und innerpolitische Auseinandersetzungen des Adels im 18. Jahrhundert so geschwächt worden, dass es als „Wahlmonarchie“ zum Spielball der Großmachtinteressen Preußens, Russlands und Österreich-Ungarns absank.

Nachdem 1772 die erste polnische Teilung nach der Niederlage gegen Russland Polen als Staat bereits ausgeschaltet hatte, konnten die Reformer im Land die Alternative zur gescheiterten Politik entwickeln. Die führenden Köpfe bei der Ausarbeitung der polnischen Verfassung waren die Aufklärer und Reformer Hugo Kollataj, Stanislaw Staszic und Ignacy Potocki.


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